Shisha und Wasserpfeife: der Mythos vom „weniger schädlich" und die echte Menge Kohlenmonoxid
Eine Shisha-Sitzung liefert 25-mal mehr Teer und 10-mal mehr Kohlenmonoxid als eine Zigarette. Das Wasser filtert nichts. Hier die wissenschaftliche Wahrheit.
Die wissenschaftliche Grundlage zur Rauchentwöhnung wurde ehrenamtlich von Prof. Bertrand Dautzenberg , Tabakologe, gegengelesen, um grobe, potenziell gefährliche Fehler auszuschließen. Sie gibt Positionen wieder, die unter Fachleuten und Gesundheitsbehörden weithin geteilt werden, ohne stets genau seinem Denken oder seiner Praxis zu entsprechen. Er ist nicht der Autor dieses Textes; er hat lediglich eine sorgfältige Durchsicht vorgenommen.
Du rauchst Shisha mit Freunden, auf der Terrasse, abends. Du sagst dir, es sei gesellig, einfach parfümierter Rauch, und das Wasser filtere den Dreck.
Alles falsch – bis auf „mit Freunden". Und selbst das wird problematisch, wenn man anschaut, was über das Mundstück weitergegeben wird.
Wie es wirklich funktioniert
Die Shisha (auch Wasserpfeife, Hookah, Narghile, Shisha genannt) erhitzt aromatisierten Tabak mit glühender Kohle. Der Rauch passiert ein Wassergefäß, bevor er über einen Schlauch und ein Mundstück inhaliert wird.
Dieser Mechanismus erzeugt zwei Effekte, die du nicht siehst:
Die Verbrennung der Holzkohle fügt massenhaft Kohlenmonoxid hinzu.
Der durch das Wasser gekühlte Rauch dringt tiefer und länger in deine Lungen ein (weil er weniger reizt, husten musst du nicht).
Metaanalyse Universität Pittsburgh, Primack et al.
Der Mythos vom filternden Wasser
Wenn du eine einzige Sache aus diesem Artikel mitnimmst: das Wasser filtert in einer Shisha nichts Nützliches.
Das Wasser hält vielleicht ein paar Feinpartikel zurück. Es hält weder Nikotin, noch Teer, noch Kohlenmonoxid, noch Nitrosamine (Hauptkarzinogene) zurück.
Entgegen einer weit verbreiteten Vorstellung filtert das Wasser der Shisha die schädlichen Chemikalien nicht in nennenswertem Maße aus dem Rauch. Der Rauch, der aus dem Mundstück kommt, bleibt stark mit Kohlenmonoxid, Schwermetallen und krebserregenden Stoffen belastet.
FDA Center for Tobacco Products
Eine Sitzung = wie viele Zigaretten?
Das ist die am häufigsten gestellte Frage – und die Antwort ist nicht eine einzige Zahl. Je nach Sitzungsdauer, Kohleart und Inhalationstiefe liefert eine einstündige Sitzung das Äquivalent von etwa 40 Zigaretten, gemessen am inhalierten Rauchvolumen, aber dieser Vergleich ist irreführend.
Anders gesagt: eine Shisha-Sitzung entspricht in der Toxizität nicht 100 Zigaretten (dieser Mythos wurde von der neueren Wissenschaft relativiert), aber sie liefert deutlich mehr Rauch, Teer und CO als eine Zigarette – und wahrscheinlich so viel wie mehrere.
Die konkreten Folgen für die Gesundheit
Die solidesten Studien (Cancer Research UK, FDA, WHO) zeigen:
Krebsarten durch Tabak: Lunge, Mund, Rachen, Speiseröhre, Blase.
Atemwegserkrankungen: chronische Bronchitis, verschlimmertes Asthma, COPD.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen: dieselbe Kaskade wie bei Zigaretten, verstärkt durch das Kohlenmonoxid.
Infektionen: Tuberkulose, Herpes, Hepatitis – übertragbar über das geteilte Mundstück.
Niedriges Geburtsgewicht bei schwangeren Konsumentinnen.
Warum der Mythos „Shisha = healthy" sich hält
Mehrere Gründe addieren sich:
Gesellig: man teilt, man redet, man nimmt sich Zeit.
Aromatisiert: Apfel, Erdbeere, Minze – der Rauch schmeckt angenehm.
Gekühlt: kein Brenngefühl wie bei der Zigarette.
Marketing: Shisha-Bars verkaufen das Image eines Hobbys, nicht eines Tabakprodukts.
Laxe Regulierung oder schlecht durchgesetzt im Vergleich zur Zigarette.
Resultat: viele junge Erwachsene, die nie eine Zigarette rauchen würden, konsumieren regelmäßig Shisha.
Und die Wasserpfeife ohne Tabak?
Manche Bars bieten „Shisha herbal" ohne Tabak an, auf Basis von Aromakräutern. Das Marketing hebt die Abwesenheit von Nikotin hervor. Aber:
Teer und Kohlenmonoxid entstehen bei der Verbrennung, unabhängig vom Tabak,
FDA- und CDC-Studien finden vergleichbare Karzinogen-Werte zwischen Tabak-Shisha und Kräuter-Shisha.
Ohne Nikotin macht es weniger süchtig. Aber es ist nicht signifikant weniger giftig.
Wichtige Besonderheiten
In Deutschland
Deine Fragen
-
Eine Shisha pro Monat, ist das gefährlich?
Bei dieser Häufigkeit ist das Risiko gering. Die Gefahr steigt schnell mit der Regelmäßigkeit – ab mehr als 1 Sitzung pro Woche verschlechtern sich respiratorische und kardiovaskuläre Marker. -
Reicht ein individuelles Einweg-Mundstück?
Für Infektionen ja – eine gute Praxis. Für Teer und Kohlenmonoxid ändert es nichts. -
Wenn ich Shisha rauche, ohne den Rauch zu schlucken, ist das OK?
Unmöglich: An einer Shisha zu ziehen erfordert eine sehr aktive Inhalation, die den Rauch zwangsläufig tief in die Lungen schickt. Und das Passivrauchen – der Rauch, der im Raum hängt – bleibt sehr bedeutsam. -
Gibt es elektronische Shishas?
Den Namen gibt es, aber das ist ein Sprachmissbrauch: Es sind große E-Zigaretten, keine echten Shishas.
quellen
Primack BA et al., Metaanalyse Wasserpfeife vs. Zigarette, University of Pittsburgh, Public Health Reports, 2016.
CDC, Hookahs – Smoking and Tobacco Use, Update 2024.
FDA, Hookah Tobacco (Shisha or Waterpipe Tobacco), 2024.
Cancer Research UK, Shisha, chewing tobacco, betel, paan and other tobacco, 2024.
BIÖG (Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit), Wasserpfeife: Risiken und Verbreitung, 2024.
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